Sitter (im Vordergrund mit Brille) erläutert die Aufstallungsform im 120 m langen Festmiststall in Vorderglöckelberg
500 Kw Photovoltaikanlage auf dem Stallgebäude
Betriebsgrundstücke in Waltersgrün reichen bis zum Moldaustausee
Stall in Waltersgrün
Wildschweinschaden bis zum Wohnhaus in Waltersgrün
Teilnehmer im Lustgarten des Schlosses in Krummau
Blick vom Schloss auf die Moldau
Im 1. Schlosshof mit dem um 1200 errichteten Turm
Im Weinfass im Weinkeller des Klosters Schlägel wurde auf die gelungene Fahrt angestossen
Teil des Schlosses Krummau

Lehrfahrt des bay. LV nach Tschechien

Besichtigung des landwirtschaftlichen Betriebs Sitter

Unser langjähriges Mitglied Willi Sitter aus Neureichenau Ldkr. Freyung- Grafenau hat in Tschechien eine große Landwirtschaft aufgebaut. Dies war die Hauptatraktion unserer diesjährigen Lehrfahrt. Auf der Hinfahrt gab Fuchs Erläuterungen über den „ Goldenen Steig“ eine bedeutende Handelsstrasse im Mittelalter. Auf dem sog. „Goldenen Steig“ wurde Salz vom Salzkammergut auf Plätten auf dem Wasserweg bis Passau gebracht. Von dort wurde das „Weiße Gold“ wie das Salz damals genannt wurde auf Pferderücken in das salzlose Böhmen transportiert.

1992 Hatte Sitter in Waltersgrün am Moldaustausee eine frühere Hofstelle des Fürsten Schwarzenberg gekauft. Dazu gehörten 40 ha LN und 25 ha Wald. Um dies damals durchzubringen musste er eine GmbH gründen. Er musste dazu einen tschechischen Bürger beteiligen auf dessen Namen er 2 % des Betriebsvermögens überschreiben ließ. Die Grundstücke reichen bis zum Moldausee. Im Jahre 1994 baute er ein schmuckes Haus das vorwiegend für den Fremdenverkehr an deutsche Gäste vermietet wird. Damals pachtete er schon viel Grund dazu und betrieb eine extensive Mutterkuhhaltung. Die Tiere blieben das ganze Jahr über im Freien. Der gekaufte große Stall wurde dann  als Laufstall umgebaut.

Als im nahen Vorderglöckelberg ein ehemaliges Staatsgut mit 242 ha Grund zum Verkauf stand, hat Sitter erneut zugeschlagen. Hier standen zwei ehemalige Kalbinnenställe für je 500 Kalbinnen. Mittels Mistschieber wurden die Exkremente aus dem Stall geschoben und in die Güllehochbehälter gepumpt. Der 119 m lange Stall wurde auf Festmist umgebaut. Mit dem Bagger wird der Mist auf den Mistgang gezogen und dann mit einem großen Teleskoplader auf die Dungstätte verbracht. Auch wurde bereits wieder angebaut um mehr Stellplätze für die derzeit 628 Mutterkühe mit Nachzucht zu haben. Zurzeit werden 1178 ha Grund bearbeitet. Die Pachtgrundstücke liegen auch auf der anderen Seeseite in Oberplan. Mit der Fähre wird das Erntegut über den See zum Betriebssitze transportiert.

Der Grund um den See ist ökologisch sehr wertvoll. Es wird großer Wert auf extensive Bodenbearbeitung gelegt. 120 ha sind in einem Programm mit Mähzeitpunkt 15. August. Hier kann natürlich kein Qualitätsfutter mehr geerntet werden. Das Heu wird vorwiegend auf der Weide zugefüttert. Nur auf 70 ha darf Festmist ausgebracht werden.

Männliche Absetzer werden mit ca. 9 Monaten zur Weitermast an einen Viehhändler verkauft, der sie meistens nach Slowenien und Kroatien exportiert. Weibliche Absetzer werden selektiert und für die eigene Nachzucht aufgestellt. Im letzten Jahr wurden 95 Stück an den Schlachthof in Linz verkauft.

90 % der Fläche werden als Silage von einem deutschen Unternehmer gehächselt. Es stehen 1100 cbm Siloraum zur Verfügung. Ein Teil Fahrsilos werden zurzeit überdacht. Den Transport bewältigt der Betrieb selbst. Mit Lkws des früheren Staatsgutes kann man sehr flexibel reagieren, erklärte uns Herr Sitter.

Die Grundstücke liegen ca. 15 km auseinander, sodass große Strecken bewältigt werden müssen. Ebenso wird der Festmist mit LKW- Miststreuer ausgebracht. Das Heu wird mit der Betriebseigenen Rundballenpresse geerntet. Da es sich um einen reinen Grünlandbetrieb handelt, wird das gesamte Stroh - 3000 Ballen- zugekauft.

Auf dem Stall hat Sitter von einem deutschen Unternehmer eine 500 Kw Photovoltaikanlage installieren lassen.

Der Abkalbungszeitraum hat sich vom Mai bis Juli bewährt da die Tiere hier auf der Weide stehen und die Kälber nicht der Enge im Stall ausgesetzt sind. Nach 2013 ist eine Aufstockung mit Stallbau geplant. Ferner liebäugelt Sitter mit einer Biogasanlage für Festmist. Wie die Abwärme sinnvoll genutzt wird ist noch nicht ganz ausgeklügelt. Ev. kommt eine Grünfutter- Pelletstrocknung und Hackschnitzeltrocknung in Frage.

Der Pachtpreis ist je ha 20 - 80 € für das extensive Grünland. Gute Erfahrung hat Sitter mit den tschechischen Behörden gemacht, sie sind hilfsbereit und nicht so bürokratisch. Sitter beschäftigt 15 Personen ganztätig. Der Stundenlohn für die Mitarbeiter beläuft sich auf 4-6 €.

Alle Teilnehmer bewunderten den über 70 jährigen Sitter wegen seines Unternehmungsgeistes. Einige meinten er müsste mindestens hundert Jahre alt werden um all seine Ideen umsetzen zu können. Sitter schafft das alles für seine Enkelsöhne.

Zu schaffen macht die große Wildschweinplage, bis zum Haus pflügen die Biester das Grünland um. Alle Wiesen müssen deshalb mehrmals abgeschleppt und eingeebnet werden.

Weiter ging die Fahrt nach Krummau, die Stadt, als Weltkulturerbe eingestuft, begeisterte alle Teilnehmer. Die Heimfahrt wurde über Österreich angetreten. Im Weinkeller in Schlägl wurde noch eingekehrt. In den Weinfässern sitzend wurde noch angeregt diskutiert.