011 Häuslhofbauer Huber begrüsst seine Gäste.
017 Der Kuhstall.
072 Die Häuslhofherde auf der Weide.
021 aufmerksame Zuhörer im Stall.
072 Der stattliche Häuslhof mit Ferienwohnungen.
079 Die Reitalm.
083 Der Stall der Reitalm.
043 Im Anbindestall der Reitalm.
045 Paul Hettegger Seniorbauer auf der Reitalm.
084 Der "spitzbübische" Seniorbauer erzählt wieder "Schauergeschichten"
087 Das schmucke Wohnhaus des Griesbichlhofes.
093 Vestl begrüsst die NE- Landwirte.
091 Begeisterte Zuhörer.
090 Fuchs übergibt die Broschüre "Allianz für die Alpen" die vom NE- Verband mit herausgebracht wurde.
099 Hotel Almrösl
109 Steinmannbauer Willi Hutegger begrüsst die Gäste.
105 Neuer Stall mit Laden
055 Ehefrau Waltraud im geordneten Hofladen.
057 Der Junior führt den Hangmäher vor.
132 Talwirt .
128 Metzgermasken.
140 Stallerhofbauer- Rettenwender stellt seinen Betrieb vor.
136 Stallerhof, der höchste Bergbauernhof der Region.
49 rechts Wohnhaus-links oben Stall und Scheune.
066 Puten im Kuhstall.
006 Heubläser.
036 hangtauglicher Motormäher.
040 Ortschaft Hüttschlag.
042 gepflegte Hänge

 

Lehrfahrt 11.-12. August 2012

ins Salzburger Land (Großarltal)

Die diesjährige Lehrfahrt des Verbandes führte ins Großarltal im Salzburger Land. Zum einen ist bekannt, dass die Landwirtschaft in Österreich noch einen großen Stellenwert in der Bevölkerung einnimmt, zum andern wollte man die Wirtschaftsweise der Bergbauern und die grandiose Umwelt und Natur näher kennen lernen.  Bei der Auswahl der Betriebe war die Bezirksbauernkammer in St. Johann behilflich. Frau Dipl. Päd. Ing. Maria Rettenwender ist Wirtschaftsberaterin, sie
hat uns vorbildliche Betriebe vorgeschlagen.

Bereits im Vorfeld des Großarltals besichtigten die 46 Teilnehmer den Häuslhof. Der Häuslhof den Fam. Huber vom Onkel geerbt hat, liegt
in Pfarrwerfen- Lehen südlich von Salzburg. Dazu gehören 42 ha Grünland, davon ein Drittel in steilen Lagen, sowie 30 Milchkühe im neuen Laufstall (Holstein X Fleckvieh) plus Nachzucht und 18 ha Wald. Der Stalldurchschnitt liegt bei 5.200 l.
Hans Huber (37) bewirtschaftet sein Grünland für diese Gegend  und als Bio-Betrieb relativ intensiv: Ein Teil wird beweidet, von vier Schnitten macht er Silage in Ballen, das Heu kommt überwiegend von der Alm, Kraftfutter kauft er zu, weil er keinen Acker hat.

Seine Frau Maria (32) kümmert sich neben Familie (3 Kinder, 8 und
4 Jahre, 8 Wochen) und Stall um die zwei Ferienwohnungen mit 70 und
40 Quadratmeter ( www.haeuslhof.at ). Es kommen überwiegend Familien mit Kindern, die meisten davon aus Deutschland. Diese verwöhnt sie regelrecht mit frischen Brötchen, eigener frischer Milch, selbst gemachten Marmeladen sowie Honig vom Nachbarn.

Der Betriebsleiter ist im Nebenberuf Wirtschaftsberater an der Bezirksbauernkammer in St. Johann. Sein Schwerpunkt ist die Förderung. Das Betriebseinkommen kommt zum  größten Teil aus der Milch, ein erheblicher Teil aus Zuchtviehverkauf über die Versteigerung, auch die Vermietung der Ferienwohnungen trägt wesentlich zum Einkommen bei, ebenso das Einkommen als seiner Tätigkeit als Berater, für die er 20 Stunden in der Woche aufwendet. Die Beratung lässt sich mit der Arbeit auf dem Hof gut organisieren. Bei Schönwetter haben die Bauern auch keine Zeit sich von mir beraten zu lassen, so Huber.


Auf der Fahrt zum 43 km entfernten Hüttschlag, das Talende des Großarltals, gab der Landesvorsitzende Fuchs noch Erläuterungen zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Ortschaften Großarl und Hüttschlag. Von Hüttschlag aus fuhren die Teilnehmer den steilen Sandweg mit Taxibussen zur Reitalm  der Familie Hettegger auf
1600 m ( Internet-Profil ). Die Almhütte wurde 2001 sehr geschmackvoll  in Blockbauweise mit Schindeldach errichtet. Unter einem Dach befindet sich ein moderner Kuhstall mit Schwemmentmistung,  Käserei, Küche, Gasträumen und 22 Betten in vier Räumen.

Nach dem Mittagessen gaben Jungbauer Paul (44)und seine Frau sowie der Altbauer Paul  (70) mit Frau den Teilnehmern bereitwillig Auskunft. Die 325 ha Almweiden erstrecken sich bis in Höhen von 1900 m. Es können aber nur ca 200 ha beweidet werden. Hier weiden 20 Kühe und 160 Jungrinder gehalten. Es handelt sich dabei teils um Pensionsrinder umliegender Bauern. Wir konnten zufällig beobachten wie ein Jungbauer auf dem Rücken ein gerade auf hohem Felsen geborenes Kalb zum Anhänger trug und zusammen mit der Jungkuh zu seinem Hof ins Tal fuhr. Das Jagdrecht über 325 ha ist verpachtet. Im Tal in Unterhaarbach- Eben bewirtschaften Hetteggeres 100 ha einschließlich Wald, davon 80 Prozent in Steillagen. Zurzeit wird ein neuer Stall gebaut. Die Hetteggers sind die größten Grundbesitzer im Tal. Der Junior ist fast jeden Tag auf der Alm um bei den Tieren Nachschau zu halten. Die Altbäuerin steht noch am Herd um die zahlreichen Gäste zu bekochen. Der Altbauer beeindruckte mit seinem hintersinnigen Humor.


Nach der Rückfahrt ins Tal besuchten wir den Griesbichlhof. Silvester Gfrerer (52) ist einer von den etwa 160 Bauern im Großarltal. Mit seiner Frau Marianne (55) und fünf Töchtern (zwischen 17 und 27) bewirtschaftet er den Griesbichlhof in Großarl- Bach, einen typischen Bergbauernhof ( www.griesbichlhof.at ). Um den Hof in etwa 1000 m Höhe liegen 9 ha Wiesen und 5 ha Weiden. Er hat 6 bis 8 Milchkühe und 25 Stück Nachzucht. Dazu 4 ha Wald. Im Sommer weiden die Rinder auf zwei Almen (180 und 700 ha), die er in Form einer Agrargemeinschaft mit zwei Nachbarn betreibt.

Wie fast alle Betriebe im Großarltal hat der Griesbichlhof mehrere Einkommensquellen. „Von der Landwirtschaft allein können wir nicht leben“, betont Gfrerer, gelernter Elektro- und Landwirtschafts-
facharbeiter. Als Obmann der Bezirksbauernkammer in St. Johann hat er einen guten Überblick über die Situation der Bergbauern.

Die Rinderhaltung liefert nur einen Teil des Einkommens. Das Milchkontingent beträgt 35.000 kg. Die Milch wird an die Alpenmilch Salzburg abgeliefert. Zum Grundpreis von 39,5 Cent/kg bekommt Gfrerer einen Bio-Zuschlag von 6,0 Cent/kg. Zuchtvieh wird über den Rinderzuchtverband Salzburg in Maishofen versteigert. Der durchschnittliche Preis liegt bei 1.900 € je Stück.
Auf dem Betrieb steht ein Noriker-Deckhengst des Pferdezuchtverbandes Salzburg. Er deckt jährlich 28 bis 30 Stuten. Kosten je Stute 115.- €.
Die Grünlandflächen liegen zum Teil in Zone IV, also auf steilen Hängen, die teilweise mit der Hand oder Motormäher gemäht werden müssen. Wegen der schwierigen Bewirtschaftung bekommt der Betrieb eine Ausgleichszulage (Bergbauernzuschuss).

„Durch die Teilnahme am ÖPUL, also am österreichischen Umweltprogramm mit der Maßnahme Biologische Wirtschaftsweise,  werden die zusätzlichen Anforderungen im Hinblick auf höhere Produktionskosten und geringere Erträge zum Teil abgegolten“, erklärt Gfrerer.
Ein weiteres Standbein ist der Urlaub auf dem Bauernhof. Gferers vermieten zwei moderne Appartements (21 und 26 Quadratmeter) und zwei gut geplante Ferienwohnungen (50 und 60 Quadratmeter) mit getrennten Schlafzimmern für Eltern und Kinder.

Voll von Eindrücken über das Erlebte begaben wir uns ins Hotel Almrösl in Hüttschlag wo wir mit einem reichhaltigen, schmackhaften Abendessen überrascht wurden.


Am Sonntagvormittag besichtigten wird dann den Steinmannbauerhof von Willi Hutegger (40) Der Hof in Hüttschlag liegt auf 1040 m Höhe. Zusammen mit seiner Frau Waltraud (35) bewirtschaftet er rund 30 ha Grünland und eine Alm mit 120 ha. Dazu kommen10 ha Wald und ein Nutzungsrecht im Bundesforst. Sie halten 15 Pinzgauer Kühe, etwa 10 bis 20 Stück Jungvieh, Schweine und fünf Pferde (Noriker). Ihre drei Söhne sind 2, 9 und 10 Jahre alt.
Dieser Bio-Betrieb hat wie fast alle Höfe im Großarltal mehrere Standbeine: Milch und Fleisch, Käserei, Brennerei, einen vorbildlichen Hofladen im Betrieb und im Winter Schlittenfahrten für Touristen.  Auf der Alm wird gebuttert und die Großarltaler Spezialität Sauerkäse hergestellt, am Hof Joghurt und Frischkäse.
Der dynamische Betriebsleiter ist Land- und Forstwirtschftsmeister und seit einigen Jahren Edelbrand- und Käsesommelier. Mit diesem Wissen kann er Gastronomen und Urlauber bestens über seine Produkte informieren. Die staatlichen Zuschüsse für Bergbauern bezifferte Hutegger mit etwa 20 Prozent seines Gesamteinkommens.

„Dieses Geld aus den Fördermitteln sei auf jeden Fall gut investiert. Denn nur mit Zuschüssen zur Grünlandbewirtschaftung ließe sich das Landschaftsbild erhalten. „Wir wissen alle, dass es nur so geht. Deshalb funktioniert hier im Großarltal die Zusammenarbeit zwischen Tourismus-Verband, Gastronomie und Landwirtschaft“, betont Hutegger.

Beim rustikalen Talwirt in Hüttschlag- See am Talende konnten wir hervorragend zu Mittag essen und das Metzgermaskenmuseum besuchen.


Der Stallerhof der Familie Rettenwender, wie der Griesbichlhof ein Bio-Betrieb nach EU-Verordnung, liegt fast am Talende in Hüttschlag- Karteis an einem Steilhang in 1200 m Höhe ( www.stallerhof.com ). Er ist nicht mit dem Bus erreichbar. Von den 23 ha Bergwiesen sind nur 5 ha Mähfläche, also mit dem Einachs-Motormäher einigermaßen gut zu mähen. Der Rest sind Hutweiden sowie Almflächen,  die mit 400 Berghöfekatasterpunkten zu den steilsten Lagen dieser Gegend gehören. Aus staatlichen Fördermitteln kommen derzeit 18 Prozent des Gesamteinkommens dieses Betriebes.

Von den sieben Milchkühen haben sich Josef Rettenwender(48) und seine Frau Marianne (47) verabschiedet und auf Mutterkuhhaltung mit Galloways umgestellt: „Da ging ein Raunen durch das Tal“. Die Kälber vermarkten sie als Baby-Beef in Form von Fleischpaketen direkt ab Hof.
Josef Rettenwender hat eine vielseitige Ausbildung: Er ist Landwirts-, Forstwirtschafts- und Imkermeister. Zudem ist er Obmann der Arbeitsgemeinschaft Arge Meister in Salzburg. Im Kuhstall hält er im Sommer 150 Puten. Auf der Alm hat er neben den Rindern auch Burenziegen, die das aufwachsende Gestrüpp verbeißen. Die Rinderhaltung will er etwas zurückfahren und dafür 30 bis 40 Bergschafe halten, weil Bio-Lämmer sehr gefragt seien und sich die Schafhaltung für die betrieblichen Abläufe und die steilen Grundstücke besser eigne. Zuchttiere und Mastlämmer verkauft er ab Hof und an den Verband.

Weiter hält er 30 Bienenvölker und brennt zusammen mit Willi Hutegger mit Destillate aus Äpfeln und Zwetschgen einen  vorzüglichen Schnaps. Und schließlich ist er noch als Biokontrolleur der Salzburger Landeskontrolle im Bereich Landwirtschaft, Direktvermarktung und Imkerei unterwegs. Im Winter unterrichtet er teilweise bis zu 20 Stunden im Monat bei landwirtschaftlichen Facharbeiter- und Meisterausbildungen an den verschiedenen Kursorten im Land Salzburg.

Marianne Rettenwender hält in Haus und Hof die Stellung und hat als Mutter von vier Kindern (8 bis 28 Jahre) alle Hände voll zu tun. Sie kümmert sich auch um die zwei Ferienwohnungen für 2 bis 6 Personen und sorgt dafür, dass sie sich die Gäste in dem versprochenen „naturverbundenen Familienurlaub“ wohl  fühlen. Besonderen Eindruck machten die steilen Hänge auf die Besucher.


Bei ausnahmslos allen Betrieben konnte festgestellt werden, dass Betriebsleiter und alle Familienmitglieder von sich und der angewandten Wirtschaftsweise voll überzeugt sind. Die Liebe zur heimischen Landwirtschaft wird trotz der harten und vielen Handarbeit an den Steilhängen nicht geschmälert. Das Einkommen kommt bei allen Betrieben aus mehreren Betriebszweigen. Oberste Priorität hat die Landschaftspflege. Die Bauern wissen sehr genau, dass ohne ihre Arbeit der Tourismus abrupt zum Erliegen kommen würde. Sie verstehen es aber auch aus dem Tourismus einen Teil ihres Einkommens zu erwirtschaften. Im 34 km langem Tal gibt es 39 bewirtschaftete Almen die mit 250 km Almwegen verbunden sind und zum wandern einladen. Die Almbauern verdienen durch die Bewirtschaftung der Almhütten ein schönes „Zubrot“.

Der österreichische Staat unterstützt die Almwirtschaft und die Bergbauern wohlweislich um die Touristikwirtschaft zu erhalten. Die sog. Bauernrente ist bedeuten höher als bei uns und wird durch eine „Grundversorgung“ durch den Staat gestützt. Interessant waren für die Nebenerwerbslandwirte vor allem auch die Maschinen der Bergbauern. Hier bestach vor allem der Hydrostatische Motormäher der Fa. Brielmaier- Friedrichshafen der sich für extreme Steillagen eignet. Der Preis mit 25 000 € erschreckte aber die Landwirte. Die Fahrt ist bei allen Teilnehmern gut angekommen.

Wir bedanken uns bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung für die Bezuschussung der Lehrfahrt.