Lehrfahrt des Landesverbands Hessen in den Bayerischen Wald

Kuhstallcafe Schmaußer
Schafhof Perl
Perl's Schafrassen
Schäfer Ernst Perl
Betriebsleiter Hans Madl
Betrieb Madl - Schlepper für MR Einsatz
Betriebsführung auf dem Madl Hof
Gehegeeinzäunung m. Baustahl (Barth)
Verkostung der Hirschwurst (Barth jun.)
Diskussion mit Hr. Barth senior
Aufbruch zum Haidl in 1000 m Höhe
Erfrischung im Wildbach
Geotop Buchberger Leite
Stadtbesichtigung Krummau in Tschechien
Krummau an der Moldau

Vom 9. bis 11. Juli unternahm der Landesverband Hessen mit 42 Personen unter der Leitung von Landesvorsitzenden Kurt Zilch eine Lehrfahrt in den Bayerischen Wald. Der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Karl Fuchs organisierte die Fahrt vor Ort und suchte die Betriebe aus.

 

Als erstes besuchte man den Betrieb Schmaußer in Illkofen bei Beratshausen. Im Laufstall werden 60 Milchkühe mit einer Leistung von über 10 000 l gehalten. Der Betriebsinhaber Alois Schmaußer führte die Gruppe durch den Betrieb und gab umfangreiche Erläuterungen. Überm Kuhstall, mit Blick auf die Tiere, wurde das sog. Kuhstallcafe angebaut. Dieses Lokal ist bei Einheimischen und Feriengästen weit über die Grenzen bekannt und gut ausgelastet. Dieser Betriebszweig trägt erheblich zum Familieneinkommen bei.

Nächste Anlaufstelle war der Schafhof Perl in Grub Landkreis Regen. Die Familie Perl hat im Lauf der letzten Jahre den Betrieb auf Erzeugung und Vermarktung von Schafprodukten umgestellt. Schafwolle aus ganz Niederbayern wird erfasst, die in verschiedenen Betrieben weiterverarbeiten wird. Ernst Perl stellte die verschiedenen Schafrassen vor und gab umfangreiche Erläuterungen über Haltung und Züchtung. Das gesamte Nebengebäude mit 300 qm ist als Verkaufsfläche mit einem kleinen Schafmuseum ausgestattet. Frau Elisabeth Perl führte alles vor was es vom Schaf zu kaufen gibt. Es werden Strickwolle, Felle, Betten, Bekleidung und Hüte, Pflegeprodukte wie Salben und Seifen sowie Schmusetiere für die Kleinen und vieles Andere angeboten. Im kleinen Hofgarten wurde zwischen den Salatzeilen Schafwolle ausgelegt. Unkrautwuchs wird dadurch unterdrückt und die Pflanzen werden durch den lang-samen Abbau der Wolle gedüngt. Zum Essen gibt es alle Schafspezialitäten, sogar Schafschokolade wird im Bauernladen angeboten. Im Brotzeitstüberl wurde dann bei Schafwurst, Kaffee und Kuchen noch ausgiebig gefachsimpelt. Karl Fuchs übernahm ab Schafhof Perl die Führung.

Auf dem Weg zum Übernachtungsort Freyung gab er Erläuterungen über die Gegend, die heimische Landwirtschaft und die Geschichte des unteren bayerischen Waldes.

2. Tag

Am Samstag wurde der Betrieb Madl in Auerbach besichtigt. Das Ehepaar Madl hat den Betrieb durch unendlichen Fleiß von 5 ha Eigenland auf ca. 100 ha aufgestockt. Vor einigen Jahren wurde ein Laufstall gebaut. Nebenbei ist ein Dienstleistungsbetrieb für ldw. Arbeiten auf die Beine gestellt worden. Vor allem in der Silageernte mit Abschiebewagen ist Madl tätig. Außerdem ist er Geschäftsführer einer Mähgemeinschaft mit einem BIG-M-Mäher und einem John Deere Schlepper mit drei Mähwerken. Seit einigen Jahren machte der Familie Madl der schlechte Milchpreis zu schaffen. Um die immer größer werdende Fläche zu verwerten wollte er nicht nochmals den Stall vergrößern, sondern setzte auf Biogas. Im letzten Jahr ging die Biogasanlage in Betrieb, dies leider nicht ohne Lehrgeld zu bezahlen. Der russische 6 Zylinder Belarus Gasmotor verbrauchte zu viel Öl, dieser Fehler konnte nicht behoben werden. Nun wurde ein 6 Zylinder MAN Motor angeschafft, der bringt mehr Leistung und arbeitet zur vollen Zufriedenheit. Beim Bau der Anlage wurde sehr viel Eigenleistung erbracht. Für den Betrieb musste sehr viel technisches Wissen angeeignet werden. Madl Junior ist hauptsächlich der Fachmann für Biogaserzeugung. Die Besucher waren sehr beeindruckt von der Anlage und stellten viele Fragen.


Nur 1 km entfernt ist der Nebenerwerbsbetrieb Barth der auf ca. 6 ha Damwildhaltung betreibt. Es werden auf zwei Weiden fremde, nicht verwandte Tierherden gehalten. Auf diese Weise kann ein Zuchthirsch bei Bedarf immer selber herangezogen werden ohne dass die Gefahr für Inzucht besteht. Rudolf Bart, der Senior ist Getränkefahrer, er kennt somit sehr viele Kundschaften und konnte diese auch für das Hirschfleisch begeistern. Somit ist der Direktabsatz gesichert. Er ist Jäger und kann die Tiere auf der Koppel selber abschießen. Der Sohn ist Metzger und verarbeitet die meist jungen Tiere fachgerecht. Im früheren Kuhstall wurden ein kleiner Schlachtraum und ein Zerlegeraum mit Kühlzelle nach den EU Richtlinien errichtet.

Nach der umfangreichen Betriebsbesichtigung bot Barth die Möglichkeit der Probe der Hirschwurst. Viele Teilnehmer nahmen eine Bayerwaldsalami mit nach Hessen. In Hobelsberg, einem ehemaligen Glashüttendorf wurde im Hüttenhof das Mittagessen eingenommen. Anschließend fuhr man mit dem Bus auf ca. 1000m Höhe, hier ist der Ausgangspunkt zur Wanderung auf den Haidl mit 1169 m. Auf 1000 m Höhenlage erläuterte Fuchs die Bemühungen der Kommunen und den verbliebenen Landwirten die Landschaft offen zu halten. In dieser rauen Höhenlage kann nur Grünlandwirtschaft mit einem Schnitt betrieben werden. Trotz Unterstützung durch Programme wie KULAP kann nicht verhindert werden, dass einige Grundstücke nicht mehr gemäht werden.

Am Nachmittag suchte man den Betrieb Sammer in Winkelbrunn auf. Neben der Milchwirtschaft wird hier Fremdenverkehr betrieben. Auch Ponnyreiten und Kutschfahrten werden angeboten. Eine sog. Bockerlbahn wird an die Gemeinden verliehen. Wie Frau Sammer erklärte, geht der Fremdenverkehr leider in den letzten Jahren zurück Aber auch der Pferdebetrieb ist rückläufig. Vor ursprünglich 16 Pferden musste auf 8 abgebaut werden. Der Sohn Markus führte die Landwirte durch den Betrieb und beantwortete alle Fragen. Vor einigen Tagen wurde auch noch eine  Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert.

Um den heißen Tag angenehm zu beschließen machte man noch einen Abstecher zur Buchberger Leite. Diese romantische Wildwasserklamm wurde zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns gekürt. Nach Zusammenfluss von Reschbach und Saußbach zwängt sich die Wolfsteiner Ohe durch ein Felsental, dass dem Ausläufer des Pfahl, einem von der Oberpfalz bis Oberösterreich laufenden Quarzaufbruchs zuzurechnen ist. Im Ehemaligen Karbidwerk werden heute künstliche Edelsteine hergestellt. Ein erheblicher Betriebszweig ist die Stromgewinnung. Ein großer Teil des Wassers aus dem Reschbach wird in einer Rohrleitung zum Karbidwerk geleitet und stürzt dort 70 m unter die Erde um eine Turbine anzutreiben. Das natürliche Gefälle der Wolfsteiner Ohe wird somit vorweggenommen. In einem unterirdischen Kanal wird das Wasser dann nach ca. 3 km wieder in den Bach geleitet. Diese Tiefbauleistung aus dem Jahre 1910 der Miniertechnik gilt heute noch als architektonische Hochleistung. Um den Arbeitern den Weg zum Werk zu verkürzen wurde ein Stollen durch den Felsen getrieben. Dieser Stollen und die Schattenseite der Ohe boten den Besuchern eine willkommene Abkühlung. Wie Fuchs berichtete wurde auf Resch- und Saußbach über die Ilz das Holz nach Passau und auf der Donau sogar bis Wien getriftet. Auf diese Weisen konnte die Fürstbischöfe von Passau, denen das Gebiet gehört endlich Nutzen aus dem Waldreichtum ziehen.

3. Tag

Am Sonntag startete man schon sehr früh nach Tschechien. Die zum Unesco- Weltkulturerbe zählende Stadt Krummau wurde besucht. Auf dem Weg gab Fuchs umfangreiche Erläuterungen  über die Geschichte der CSSR, die größeren Orte auf dem Weg, die Annektierung im Dritten Reich und die Bemühungen um eine gute Nachbarschaft heute. In Böhmen und dem ehemaligen Sudetenland wurden 1946 alle Deutschen vertrieben. 6 000 Deutsche durften bleiben, sie mussten vor allem das Vieh versorgen, wurden aber von den Tschechen sehr unterdrückt und misshandelt. Die Fahrt ging auch ein Stück entlang des 1950 bis 59 errichteten Moldaustausees, der 42 km lang und 16 km breit ist. Die Stadt Krummau um die sich die Moldau hufeisenförmig schlängelt hat eine bewegte Geschichte. Die drei Adelsgeschlechter bauten nacheinander das Schloss Krummau aus.

In einem Schnelldurchlauf wurden die 5 Schlosshöfe und die 40 Gebäude durchwandert. Der Lustgarten mit 7 ha bestach durch seine wunderbare Anlage und den gepflegten Zustand. Bewundert wurde auch die Drehbühne die die Zuschauer im Freien langsam dreht um das geschehen der Schauspieler auf dem Gelände und auf der Bühne beobachten zu können. Die Reisegruppe bestaunte noch den historischen, unter Denkmalschutzstehenden Stadtkern, und erwanderte noch einige markante Punkte mit Blick auf die Moldau. Gegen Mittag konnten viele Kanu- Boot- und Wildwasserfahrer auf der Moldau beobachtet werden.

Leider musste viel zu früh die Rückreise angetreten werden, da noch eine über 600 km lange Strecke bewältigt werden musste. Die überwiegend älteren Teilnehmer waren von der Fahrt und den Programmpunkten sehr begeistert.