Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Erich Schmid
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Vermarktung selbsgemachter Liköre, Schnäpse und Weine
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Pferdeboxen im Stall Koller
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Franz Koller (Bildmitte)
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Michael Dirscherl (links)
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Jungponys im Offenstall
Nebenerwerbslandwirte Bayern Lehrfahrt Oberpfalz Okt 2010
Klaus Dirscherl (links)

Lehrfahrt des bay. LV in die Oberpfalz

Am 10.10.2010 unternahm der Bayerische Landesverband der Landwirte im Nebenberuf eine Lehrfahrt in die Oberpfalz. Ziel war Betriebsbeispiele kennen zu lernen bei denen es gelungen ist durch Nischenproduktion den Betrieb zu erhalten und das Familieneinkommen aufzubessern.

Von Winkelbrunn- Ldkr. Freyung aus startete der Bus in Richtung Oberpfalz. Auf dem Weg entlang stiegen laufend Mitglieder zu. Erste Anlaufstelle war der Betrieb Erich Schmid in Gaisheim bei Moosbach im Landkreis Schwandorf. Hier trafen auch Mitglieder aus allen Teilen Bayerns ein, die mit dem PKW anfuhren. Das Ehepaar Schmid stand zunächst vor großen Entscheidungen. Beide haben durch das Studium Berufe angestrebt, bei denen man nur in Ballungszentren Anstellung findet. Frau Schmid ist Biologin Herr Schmid ist Marketingmanager. Da man aber den elterlichen ldw. Kleinbetrieb übernehmen wollte kam man auf die Idee dass man durch Wein- Likör- und Schnapsherstellung ein Einkommen erwirtschaften könnte. Durch Kräuteranbau in kleinen Rahmen wurden die Grundstoffe selber erzeugt.

Eine breite Palette von Getränken wird ohne chemische Hilfsmittel angesetzt. Dies geht vom Rosenblütenwein bis zum sehr "scharfen" Ingwerlikör. Im Keller konnten wir und von den vielen verschiedenen Arten und Geschmacksrichtungen überzeugen. Die Erzeugnisse werden zum größten Teil auf Märkten, aber auch im Hofladen vertrieben. Mit dem fahrbaren Verkaufsstand fährt Schmid sogar bis Wien und anderen Großstädten. Als Gag bringt er auch noch Reisigbesen als sog. "Hexenbesen" mit viel Witz an die "Frau". Wie Schmid berichtete kann er von diesem Betriebszweig leben. Vor der Verabschiedung wurde noch tüchtig im Hofladen eingekauft.

Weiter ging die Fahrt nach Poggersdorf zu unserem Mitglied Franz Koller. Im Kollerhof wurden wir zu Mittag bestens versorgt. Franz Koller schilderte den Werdegang des Betriebes in seiner Entwicklungsphase bis zum heutigen Tag. Vom ursprünglich 20 ha Schweinezucht- und Mastbetrieb wurde zielstrebig das Gasthaus zum Reiterhof mit Ferienwohnungen umge-stellt. Durch Zukauf wurde der Grundbesitz auf 100 ha rund um den Betrieb aufgestockt. Neben großen Pferdeweiden befinden sich drei Fischweiher bzw. Freizeitseen und ein Kinderspielplatz auf dem Gelände. Baulich wurden neue Häuser zugebaut oder gekauft. Für die Gäste sowie für den Reitverein stehen zwei Reithallen zur Verfügung. In einem vorbildlichen Boxenstall und im Außenlaufstall werden neben 70 eigenen Pferden 30 Pensionspferde gehalten. Die Boxenhaltung kostet pro Pferd monatlich 290 €. Die Schwiegertochter ist Reitlehrerin und gibt Reitunterricht. In der Zwischenzeit hat Franz den Hauptbetrieb an den Sohn abgegeben. Ein zweiter Sohn und zwei Töchter arbeiten auf dem großen Betrieb mit.
In den Ferienwohnungen können bis zu 100 Personen untergebracht wer-den. Bei Arbeitsspitzen helfen die Senioren gerne mit. Frau Koller steht noch gerne in der Küche ihren „Mann“ und Franz hilft im Gasthaus, bei den Pferden oder als Kutscher gerne aus. Die Besucher waren vom ordentlichem „Kollerimperium“ begeistert.
Unter www.kollerhof.de können Sie den Betrieb genauer erkunden.

Bei unserem langjährigen Mitglied Michael Dirscherl in Bayerhof bei Thanstein war unser nächstes Ziel. Mit der Flurbereinigung wurde der Grundbesitz von 20 ha an der Landkreisgrenze zusammengelegt und dann der Aussiedlerhof gebaut. Dirscherl erkannte aber sehr schnell, dass der Hof eine Familie nicht ausreichend ernähren konnte und arbeitete anfänglich nebenberuflich und dann hauptberuflich bei der Hagelversicherung. Die Milchkuhhaltung wurde abgeschafft. Mit Vertragskartoffelbau wurde der Betrieb lange aufrechterhalten. Später baute man Ferienwohnungen ein. Dazu passten natürlich Reitpferde. Im Lauf der Jahre wurden dann noch ldw. Gebäude zu Ferienwohnungen umgebaut. In den letzten Jahren wurde eine neue Garage gebaut, über der wiederum Platz für Ferienwohnungen geschaffen wurde. In der Zwischenzeit wurde der Vertragskartoffelbau aufgegeben, das Ackerland in Grünland umgewandelt. Derzeit werden 30 Shetlandponys in Freiluftställen gehalten. Einige werden zur Zucht verwendet, andere stehen auch den Feriengästen zum Ausritt zur Verfügung. Die Ehefrau Marianne ist vor allem für den Gästebetrieb verantwortlich.
Der Sohn Klaus hat nun auf dem Betriebsgelände ein Niedrigenergiehaus gebaut, dafür interessierten sich vor allem die Männer. Das Elternhaus sowie das neue Haus des Sohnes werden mit einer neu errichteten Hackschitzelheizung versorgt. Im neuen Haus wird auch eine Praxis eingerichtet. Klaus Dirscherl ist Logopäde, seine Frau Ergotherapeut.
Durch die Umstellung wurde erreicht, dass trotz weniger Arbeit für die Landwirtschaft noch ein kleiner Gewinn zum Familieneinkommen herausspringt und der Betrieb erhalten bleibt.

Viel zu schnell verging die Zeit und man konnte sich mit den neu gewonnenen Eindrücken wieder auf den Heimweg machen.