Gasser gibt Erläuterungen über das Eisacktal
Obstbauer Gasser (rotes Hemd) führt durch die Apfelplantage
Gepflegte Baumreihen
Die Punterhofbäuerin führt uns durch den Bauernmarkt
Tirtelnbacken am Bauernmarkt
Die Stände am Bauernmarkt
MdEP Dorfmann kommt direkt von der Alm zu uns
Herbert Dorfmann bannt die Zuhörer
Ein "Dankeschön" für Dorfmann
Dorfmann wird mit der silbernen Verdienstnadel des Bayerischen Landesverbandes ausgezeichnet
Gruppe am Punterhof
Links Gemüsegarten, rechts Kartoffelfeld, Äpfelreihen und der Weinberg
Der Kirchturm im Reschensee

Lehrfahrt nach Südtirol- Eisacktal  - Juli 2013

Die diesjährige Lehrfahrt fand in der Zeit vom 26. bis 28. Juli statt.
Ziel der Lehrfahrt war der Raum Brixen in Südtirol. Die Fahrt ging über den Brenner zu unserm Hotel „Waldesruh“ bei Fam. Gasser in Viums 39042 Nats/Schabe- Nähe Brixen. Die Fam. Gasser betreibt noch einen Obstbaubetrieb.

Die Buspausen wurden durch selbstgebackenen Kuchen von Frau Fuchs und Frau Stockinger versüßt. Nach dem Eintreffen im ruhigen Hotel am Ortsrand gab uns Herr Gasser eine Einführung über das Gebiet mit einer Führung in durch die Apfelplantage. Zu Beginn wurden wir zu einem Stehumtrunk mit Hollundersekt eingeladen.

Südtirol hat 35.000 Einwohner, davon 70 % Deutschsprachig, 25% Italienisch, 5% Latiner. 1919 kam Südtirol nach Italien. Gemeinde Natz- Schabs hat ca. 3000 Einwohner. Die Haupteinnahmen der Süd-Tiroler sind: Kleinindustrie, Landwirt-
schaft und der Tourismus (ca. 35 Mill. Übernachtungen).

Die Familie Gasser bewirtschaftete auf der wasserarmen Hochfläche einen typischen Südtiroler Obstbauhof. Im Jahre 1959 gelang ein großes Projekt zur Wasserversorgung des Hochplateaus der Gemeinde Nats-Schabs und besonders von Viums. Aus 35 km Entfernung wurde in Stahlrohren mit 40 cm Durchmesser vom Hochgebirge Schmelz- und Quellwasser hergeleitet. Dadurch war ein intensiver Obstbau möglich. Durch die Hochlage von 890 M über NN entstand wegen des besonderen Kleinklimas und der jederzeit möglichen Bewässerung für die Tafeläpfelproduktion ein idealer Standort.

Der Gasserhof ist seit 1995 ein reiner Obstbaubetrieb. Auf der Fläche von 6 Hektar werden nur zwei Äpfelsorten mit höchstem Qualitätsanspruch produziert. Das sind Jona Gold und Golden Delicius. Die einzelnen Baumreihen werden mit Schlauchtropfleitungen gezielt bewässert. Der Apfelansatz auf den Bäumen wird ausgedünnt. Nur etwa in Faustbreite darf ein Apfel sitzen. Qualität geht vor Quantität.

Herr Gasser gab zudem noch wichtige Hinweise zum richtigen Obstbaumschnitt. Die Erläuterungen wurden von der Gruppe dankbar aufgenommen.

Seit 1976 betreiben die Gassers Gästebewirtung und Beherbergung, wobei der Hotelbetrieb ständig erweitert und modernisiert wurde. Die bayerischen Nebenerwerbslandwirte nächtigten zweimal und genossen die vorzügliche Küche von Frau Gasser.

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Besuch des Bauernmarkes in Brixen:

Am Samstag bekamen wir von der Gründerin Rosa Sigmund vom Punterhof eine Führung durch den Brixner Bauernmarkt am Hartmannsplatz. Man merkte der Punterhofbäuerin deutlich an, dass sie mit viel Herzblut noch immer hinter dem von ihr gegründetem Bauernmarkt steht. Vom Punterhof wird ebenfalls ein Stand mit Gartenbauerzeugnissen betrieben. Jeden Samstag vom Mai-Oktober von 7.30 – 13.00 bieten etliche Bauern von der Umgebung frische und natürliche Bauernprodukte, direkt vom Bauernhof an! Das Motto „Frisch vom Bauernhof“ steht hier an erster Stelle. Ohne lange Wege, ohne Zwischenhändler und ohne Qualitätsverlust! Ziegenkäse vom Kaserhof, Almkäse, Honig, Beeren, Eier, Bio Kräuter und Tee´s vom Schmiedthof, Viumser Speck sowie allerlei Gemüse waren im Angebot. Jeden Samstag kann man auch die traditionellen Tirtln, „Tiroler Krapfen“ genießen, die jeweils von Bäuerinnen aus einem anderen Ort der Gemeinde zubereitet werden. Man konnte die Tirtln mit Spinat, Kraut oder Marmelade füllen lassen! Frau Siegmund hatte für uns schon Tische reserviert, sodass wir den heimischen Wein und die Tirtln gleich ausprobieren konnten.

 

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Nun ging es aber schnell zurück zum Hotel. Seit geraumer Zeit  ist der Landesvorsitzende Fuchs aus Freyung- Winkelbrunn mit dem EU- Abgeordneten Dorfmann in Verbindung. Fuchs verfolgte die Arbeit des EU- Abgeordneten Dorfmann im Internet und konnte feststellen, dass sich dieser mit aller Kraft für die kleinen Landwirte einsetzt. Herr Dorfmann geb. 1969 unterrichtete nach seinem Agrarwirtschaftsstudium an der Landwirtschaftsschule in Auer und kam als Leiter der Abteilung Landwirtschaft auf die Handelskammer in Bozen. Fast 10 Jahre war er Direktor des Südtiroler Bauernbundes und ein Verfechter der kleinbäuerlichen Betriebe. 2005 wurde er zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt und schaffte 2009 den Sprung ins Europaparlament. Herr Dorfmann hat sich nicht nur für einen Vortrag zur Verfügung gestellt, sondern auch bei der Organisation und Auswahl der Betriebe mitgeholfen. Herbert Dorfmann, Mitglied in Agrarausschuss im EU Parlament, gab einen ausführlichen Bericht über Südtirol und Europa.

Die Ländliche Entwicklung im Alpenland wurde in Südtirol vorangetrieben. Die Ortserschließung mit Strassen, die Hof- und Almerschließung, der Bau von Schulen und Kindergärten sowie die dezentrale Arbeitsplatzansiedlung in den 60 er und 70 er Jahren brachten für die Gegend einen enormen Entwicklungsschub.

Die Landwirtschaft in Südtirol ist dreigliedrig. Auf 20 000 ha wird Obstbau betrieben - es werden ca 1 Milliarde kg Äpfel im Jahr erzeugt, das sind 10% der EU Apfelernte. Mit 300 000 hl Weinerzeugung kommt man zwar nur auf 0,1% Anteil der EU, der Preis ist aber als sehr gut zu bezeichnen. 5-6 000 Grünlandbetriebe erzeugen in Durchschnitt 70.000 kg Milch. Im Schnitt stehen in den Ställen nur 14 Kühe. Die meisten Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. Dies geht nur, weil immer zwei Generationen auf den Höfen zusammenarbeiten. Die ldw. Betriebe stehen auf 2 -3 Beinen. Eine wichtige Einkommensquelle ist der Fremdenverkehr.

Bei der  EU Agrarpolitik muss in Italien bis 2020 die Umstellung noch abgeschlossen werden. In Deutschland ist die Neuverteilung der Gelder weitgehend abgeschlossen. Die Lebensmittel werden besser aber auch teurer. Der Anstieg des Lebensmittelverbrauchs ist vorauszuberechnen. In China, Indien, Südamerika, Russland, Teile Europas wird es spürbar zu mehr Produktion kommen müssen.

Der Weltmarktpreis für Milch ist in den letzten 8 Jahren von 50 % des EU- Preises auf annähernd 100 % angestiegen. In der Zukunft müsste man in den Guten Lagen ohne Zuwendungen auskommen. Die EU unterstützt mit 45 Milliarden die Landwirtschaft; es soll künftig gekürzt werden.

Dorfmann befürwortet eine Rauhfutterprämie für Rinder. Agrarumweltprogramme wie das bayerische KULAP hält der Abgeordnete für sehr wichtig. Es schloss sich eine rege Diskussion an.

Für seinen Einsatz für die kleinen Landwirte wurde der Abgeordnete mit der silbernen Verdienstnadel des bayerischen Landesverbandes ausgezeichnet. Augenzwinkernd meinte Fuchs dazu, dass der Verband auch noch eine „Goldene Nadel“ zu vergeben hätte. Er würde sich wünsche, dass sein Nachfolger in ein paar Jahren ihm diese Nadel anstecken dürfte. Mit obligatorischen Gaben, einer Packung „Zweiländerhonig“ einer Flasche Bärwurzschnaps und einen Nebenerwerbslandwirt zum aufessen bedankte sich Fuchs beim Abgeordneten.

 

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Am Sonntag machte man schon sehr früh auf und besuchte den Punterhof in der Nähe des Klosters Neustift. Inhaber ist die Fam. Martin Sigmund der mit der gesamten Familie den Hof bewirtschaftet.  Dieser umfasst 7 ha Eigenfläche mit 10 ha. Zupachtflächen auf einer Höhe von 600 m über NN. Es handelt sich hier um eine sehr fruchtbare Gegend im Eisacktal, die aber nur durch flächendeckende Bewässerung ihr Potential entfalten kann. Dann sind bis zu 4 Ernten möglich. Der Betrieb wird konventionell bewirtschaftet.

Es gibt fünf verschiedene Betriebszweige für die jeweils ein Fam. Mitglied hauptverantwortlich ist. Der Milchviehbetrieb mit 20 Milchkühen u. Nachzucht hauptsächlich der Rasse schwarzbunt. Der Stalldurchschnitt liegt bei ca. 8.000 kg. Das Kraftfutter wird  tägl. 5 x vorgelegt.  Der Preis für den Liter Milch liegt bei ca. 50 Ct. Die Besamung der Rinder wird hier durch den Tierarzt durchgeführt u. kostet ca. 40 €.  Neu für uns war, dass hier der Silomais in Rundballen eingelagert wird. Auch reichlich Wald gehört zum Hof, der mit Hackschnitzel beheizt wird. Verantwortlich ist der Jungbauer Martin.
Weinanbau: Hier werden verschiedene Sorten angebaut die hauptsächlich üb. das nahe Kloster Neustift vermarktet werden. Wichtig ist hier nicht die Masse sondern die Qualität. Pro Stock werden max. 1,4 kg Trauben erreicht. Viele Trauben werden bereits im Sommer abgeschnitten um den gewünschten Oechslegrade zu erreichen. Für das kg Trauben werden ca. 3 € bezahlt. Verantwortlich dafür ist der Jungbauer.
Die 3 Ferienwohnungen u. der Haushalt mit Kleinkind  werden von der zukünftigen Schwiegertochter betreut.

Gemüseanbau wird durch die 67 jährige u. sehr rührige „Altbäuerin“ durchgeführt u. organisiert. Diese ist mit sehr viel Herzblut u. Fachwissen den ganzen Tag am arbeiten. Unterstützt wird sie dabei durch ihre 2 Töchter die außerlandwirtschaftlich beschäftigt sind. Die Produkte werden hauptsächlich üb. den Bauernmarkt in Brixen oder direkt im Hofladen vermarktet. So werden z. B. Artischocken, Radicchio, Radieschen, Karotten, Weißkraut, Gurken, Zucchini, Auberginen, Kartoffeln u. vieles mehr angebaut.

Dies erfordert sehr viel Fachwissen u. Arbeitsaufwand bei der auch 2 Praktikanten mithelfen. Der Enkel mit 8 Jahren pflanzt nach Angaben der Oma  bereits selbstständig und kennt alle Sorten. Ebenso kommen regelmäßig Pensionisten als Helfer auf den Betrieb. Zum Einmachen des Sauerkrauts kommen aus der Umgebung ca. 20 Frauen als Helferinnen dazu. Zum Eindämmen des Unkrautes wird der Anbaustreifen für das Gemüse jährlich. komplett gewechselt u. wird dann einige Jahre als Grünland bewirtschaftet. Die rührige „Altbäuerin“ scheint nach wie vor die gesamten Fäden im Betrieb in der Hand zu haben.

Die Zeit bis zum Abend wurde noch genutzt um an einer Führung im Kloster Neustift teilzunehmen.

Die Fahrtteilnehmer sprachen sich lobend über die fleißigen, zu viel Handarbeit bereiten Bauern der Gegend aus. Die Landwirte aus Bayern waren mit der Auswahl der besuchten Betriebe und Einrichtungen sehr zufrieden.  Die Heimfahrt erfolgte über den Vinschgau. Viele Teilnehmer haben den Kirchturm im künstlich angelegten Reschensee noch nie gesehen.

Wir bedanken uns herzlich für die Förderung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.